TCM einfach erklärt
Die Traditionelle Chinesische Medizin – kurz TCM – ist ein über Jahrhunderte entwickeltes Medizinsystem. Sie betrachtet den Menschen nicht nur anhand einzelner Beschwerden, sondern versucht, verschiedene körperliche und persönliche Zusammenhänge gemeinsam zu verstehen.
In der TCM stehen weniger einzelne Diagnosen im Mittelpunkt als vielmehr individuelle Muster. Dabei können beispielsweise Schlaf, Verdauung, Temperaturempfinden, Energie, Stress, Schmerzen oder der Verlauf von Beschwerden gemeinsam betrachtet werden.
Auf dieser Grundlage wird entschieden, welche Behandlungsmethoden zur jeweiligen Situation passen können. Dazu gehören unter anderem Akupunktur, chinesische Arzneitherapie, Tuina, Schröpfen und Gua Sha.
Die Begriffe und Modelle der TCM stammen aus einem traditionellen medizinischen Verständnis. Sie sind nicht mit den anatomischen oder physiologischen Konzepten der modernen westlichen Medizin gleichzusetzen.
Die wichtigsten Begriffe der TCM
Qi
Qi ist ein zentraler Begriff der TCM. Vereinfacht wird damit eine funktionelle Lebensenergie beschrieben. In der traditionellen Vorstellung soll Qi den Körper durchziehen und verschiedene körperliche Funktionen miteinander verbinden.
Yin & Yang
Yin und Yang beschreiben zwei sich ergänzende Prinzipien. Ruhe und Aktivität, Kälte und Wärme oder innen und aussen sind typische Beispiele. Gesundheit wird in der TCM häufig als dynamisches Gleichgewicht dieser Gegensätze verstanden.
Meridiane
Meridiane – auch Leitbahnen genannt – bilden in der TCM ein theoretisches Netzwerk, über das Qi durch den Körper fliesst. Entlang dieser Leitbahnen befinden sich viele der Akupunkturpunkte.
Muster statt einzelner Symptome
Eine Beschwerde wird in der TCM nicht immer isoliert betrachtet. Verschiedene Zeichen und Symptome werden zu einem individuellen Muster zusammengeführt, das als Grundlage für die Behandlung dient.
Was sind Meridiane?
Meridiane oder Leitbahnen gehören zu den grundlegenden Modellen der Traditionellen Chinesischen Medizin. Innerhalb dieses traditionellen Systems werden sie als Verbindungen zwischen unterschiedlichen Körperregionen und Funktionen verstanden.
Auf den Leitbahnen liegen viele der bekannten Akupunkturpunkte. Je nach individuellem TCM-Befund werden bestimmte Punkte ausgewählt und miteinander kombiniert.
Meridiane sind dabei ein theoretisches Konzept der TCM und nicht mit anatomisch nachweisbaren Nerven, Blutgefässen oder anderen körperlichen Strukturen gleichzusetzen.
Die fünf Elemente
Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser sind traditionelle Ordnungssysteme der TCM. Sie dienen dazu, unterschiedliche Funktionen und Zusammenhänge zu beschreiben.
Holz
Leber & GallenblaseDas Element Holz wird traditionell mit Wachstum, Bewegung, Flexibilität und dem Frühling verbunden.
Feuer
Herz & DünndarmFeuer steht in der TCM unter anderem für Wärme, Aktivität, Ausdruck und den Sommer.
Erde
Milz & MagenDie Erde wird mit Mitte, Ernährung, Stabilität und Verdauung in Verbindung gebracht.
Metall
Lunge & DickdarmMetall wird traditionell mit Struktur, Abgrenzung, Atmung und dem Herbst verbunden.
Wasser
Niere & BlaseWasser steht in der TCM für Ruhe, Speicherung, Regeneration und den Winter.
Wie entsteht ein TCM-Befund?
Zu Beginn einer Behandlung steht ein ausführliches Gespräch. Dabei wird nicht nur das aktuelle Hauptanliegen betrachtet.
Gespräch
Beschwerden, deren Verlauf, Schlaf, Verdauung, Energie, Stress und weitere persönliche Faktoren können Teil der Anamnese sein.
Zunge
Die Betrachtung der Zunge gehört traditionell zur TCM-Diagnostik. Dabei werden beispielsweise Form, Farbe und Belag berücksichtigt.
Puls
Auch die traditionelle Pulsdiagnostik kann Teil des Befunds sein. Dabei werden verschiedene Qualitäten des Pulses ertastet und innerhalb des TCM-Modells eingeordnet.
Gesamtbild
Aus den verschiedenen Informationen entsteht ein individuelles TCM-Muster, an dem sich die Auswahl der Behandlung orientiert.
Welche Methoden gehören zur TCM?
Akupunktur
Bei der Akupunktur werden sehr feine Nadeln an ausgewählten Akupunkturpunkten gesetzt. Welche Punkte verwendet werden, richtet sich nach dem individuellen TCM-Befund.
Mehr erfahrenElektroakupunktur
Bei der Elektroakupunktur werden einzelne gesetzte Akupunkturnadeln zusätzlich mit sanften elektrischen Impulsen stimuliert.
Mehr erfahrenChinesische Arzneitherapie
Die chinesische Arzneitherapie arbeitet mit individuell zusammengestellten Rezepturen. Diese können im Verlauf entsprechend der persönlichen Situation angepasst werden.
Mehr erfahrenTuina
Tuina ist die manuelle Therapie der TCM. Sie verbindet unter anderem Druck-, Streich-, Knet- und Bewegungstechniken.
Mehr erfahrenSchröpfen
Beim Schröpfen werden spezielle Gläser auf ausgewählte Körperbereiche gesetzt. Durch Unterdruck werden Haut und darunterliegendes Gewebe stimuliert.
Mehr erfahrenGua Sha
Bei Gua Sha wird mit einem abgerundeten Instrument kontrolliert über Haut und Gewebe gestrichen. Die Intensität wird individuell angepasst.
Mehr erfahrenWelche Rolle spielen Kräuter und Arzneimittel?
Die chinesische Arzneitherapie ist neben der Akupunktur ein wichtiger Bestandteil der TCM. Dabei werden traditionell verschiedene Arzneimittel zu individuellen Rezepturen kombiniert.
Eine Rezeptur wird nicht allein anhand eines einzelnen Symptoms ausgewählt. Sie orientiert sich am persönlichen TCM-Befund und kann sich im Verlauf verändern.
Bestehende Medikamente, Vorerkrankungen und mögliche Wechselwirkungen sollten dabei immer berücksichtigt werden. Deshalb gehört die Arzneitherapie in fachkundige Hände.
Warum bekommt nicht jeder dieselbe Behandlung?
Ein Grundprinzip der TCM ist die individuelle Betrachtung. Zwei Menschen können mit einer ähnlichen Beschwerde in die Praxis kommen und dennoch unterschiedliche TCM-Muster zeigen.
Deshalb können sich sowohl die ausgewählten Akupunkturpunkte als auch die eingesetzten Methoden voneinander unterscheiden.
Das Ziel ist nicht, möglichst viele Methoden gleichzeitig einzusetzen, sondern eine Behandlung zu wählen, die zur aktuellen Situation des jeweiligen Menschen passt.